Archäologie in Passau
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Geologie
Passau, geologisch ein Ausläufer des Bayerischen Waldes, ist geprägt durch die beiden schiffbaren Flüsse Donau und Inn. Die von Norden in die Donau mündende Ilz ergänzt dieses System und erschließt gleichzeitig den Weg nach Böhmen. Die West-Ost-Achse Donau und die Nord-Süd-Achse Inn/Ilz kreuzen sich in Passau. Sie bilden seit vorgeschichtlicher Zeit einen Knotenpunkt für Verkehr und Handel und die Ursache für die Anlage von Siedlungen.

Fragment einer Schale der Oberlauterbacher Gruppe Vorgeschichte
Zwar sind bereits seit dem Paläolithikum menschliche Aktivitäten im ostbayerischen Donauraum nachzuweisen, doch stammen die ältesten Funde aus dem heutigen Passauer Stadtgebiet erst aus dem Mesolithikum Klick zur Karte (Fundst. 1), Klick zur Karte Detailkarte, (Fundst.: 4, 12, 13, 17). Neben einigen Steinartefakten weist das Fragment einer Schale der Oberlauterbacher Gruppe auf eine Siedlung hin Klick zur Karte (Detailkarte, Fundst.: 25) , die, da eine ausschließliche landwirtschaftliche Nutzung auf der Donauhalbinsel ausgeschlossen werden kann, im Zusammenhang mit Handel und Verkehr interpretiert werden darf. Das Fragment könnte einen Hinweis auf den mittelneolithischen Warenaustausch geben: Vielleicht existierte am Zusammenfluß von Donau und Inn an der Ortsspitze ein Umschlagplatz für die Handelsschiffahrt.
Weitere neolithische Siedlungen lagen z.B. nördlich der Donau oberhalb der Ilzstadt Klick zur Karte (Fundst. 1),
Klick zur Karte (Detailkarte, Fundst.: 2 - 13, 15 - 18) und im Bereich des spätantiken Kastells Boiotro Klick zur Karte (Fundst. 1),
Klick zur Karte (Detailkarte, Fundst.: 30) Chamer Gruppe.
Endneolithische/frühbronzezeitliche Fundplätze nördlich der Donau könnten Hinweise auf landwirtschaftliche Anwesen geben Klick zur Karte (Fundst. 1, 2) Klick zur Karte (Detailkarte, Fundst.: 17).

Aus der Bronzezeit stammt der früheste Befund zur Passauer Siedlungsgeschichte: Ein über 4,6m langer Buchenholzbalken Klick zum Foto mit einem hölzernen Widerlager dürfte Teil einer Uferbefestigung gewesen sein Klick zur Karte (Fundst. 25). Auch dieser Befund weist daraufhin, daß man auch in der frühen Bronzezeit von den Verkehrsachsen Donau und Inn profitierte. Aus der Urnenfelderzeit existierten lediglich Einzelfunde Klick zur Karte Fundst. 25, 32, erst mit der Hallstattzeit finden sich wieder Anzeichen für eine Besiedlung, wie ein Grab auf dem Kühberg zeigt Klick zur Karte (Fundst. 31).

Ebenso wie in den Jahrtausenden zuvor spielte für die Menschen der Spätlatènezeit die günstige topographische Situation und die exzellente wirtschaftsgeographische Lage die entscheidende Rolle für die Anlage ihrer Siedlung auf der Donauhalbinsel Klick zur Karte. Die Flüsse gaben der Halbinsel einen natürlichen Schutz, der einzige Landzugang ließ sich relativ leicht befestigen. Außerdem hatte man über Inn und Salzach einen direkten Zugang zu den Salzvorkommen in den Alpen. Aus dem ca. 20 km nordöstlich von Passau gelegenen Kropfmühl bezog man Graphit und Graphitton zur Produktion feuerfesten und wärmeleitenden Geschirrs Klick zum Foto. Die Kelten gaben um 50/40 v. Chr. ihr Oppidum , das sie Boiodurum nannten, auf.


Römische Zeit Klick zur Karte 100kb
In römischer Zeit wurde Passau Grenzstadt. Während die Donau das Römische Reich vom freien Germanien trennte, bildete der Inn nicht nur die Grenze zwischen den Provinzen Rätien und Norikum, sondern auch die zwischen dem gallischen und illyrischen Zollbezirk Klick zur Karte.
Die frühesten Belege der römischen Okkupation der in Rätien gelegenen Altstadt Passaus stammen aus claudischer Zeit. Einen kleinen Militärposten im Bereich der Ortsspitze baute das Militär im Laufe des 1. und 2. Jahrhunderts zu einem Kastell aus Klick zur Karte. Wohl im Zuge der Markomannenkriege wurde es zerstört und aufgegeben.

Das Nachfolgekastell errichteten die Römer auf dem Domberg und stationierten hier die 9. Bataverkohorte Klick zur Karte.

Nach den Zerstörungen bei den Alamanneneinfällen um 240 n.Chr. zog man erneut zur Ortsspitze und errichtete ein spätantikes Kastell mit dem mehrfach überlieferten Namen Batavis Klick zur Karte.

Im Zuge des Limesausbaus unter Domitian errichteten die römischen Militärs an der Mündung des Inns in die Donau ein Kastell von 13000 - 14000 qm Größe nebst der dazugehörigen Zivilsiedlung Klick zur Karte. Wahrscheinlich übertrugen sie den Namen der keltischen Siedlung auf diese Gründung. Als Besatzung kann man neben einem Numerus (Numerus Boiodurensium) auch die fünfte berittene Breuker KohorteRömermuseum Kastell Boiotro (Cohors Quinta Breucorum Equitata Civium Romanorum) annehmen.

Nach der Zerstörung des Kastells Boiodurum sowie der umgebenden Zivilsiedlung um 240 n.Chr. errichtete man etwa 1 km innaufwärts gegen 300 n.Chr. ein kleines, burgartiges Kastell Klick zur Karte (Boiotro). Der Kastellname Boiotro, eine Verballhornung von Boiodurum, ist in der Notitia Dignitatum und in der Severinsvita des Eugippius überliefert. Wahrscheinlich ließ hier Severin ein kleines Kloster errichten. Einbauten aus dem späten 5. Jahrhundert in der Südostecke des Kastells geben Hinweise darauf. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand in derselben Zeit eine Kirche für die Severin Reliquien von Johannes d.T. beschaffen konnte.


Mittelalter
Funde des 6. und 7. Jahrhunderts sowie der Name belegen eine mögliche Kontinuität von der Spätantike zum Mittelalter. Wahrscheinlich wurde Passau, nachdem 715 Herzog Theodo das Land unter seinen Söhnen aufteilte, agilolfingische Residenz. Außerdem ließ Vivilo sich in Passau im 8. Jahrhundert als Bischof nieder. Das Bistum Passau wurde durch die Ausdehnung Bayerns in den folgenden Jahren zur größten Diözese des deutschen Reiches. Mittelpunkt blieb Passau, dabei waren die Bischöfe nicht nur geistliche Herren, sondern übten durch Schenkungen von Kaisern, Königen und des Adels auch die weltliche Macht aus. Dieses geistige und weltliche Machtzentrum bildete u.a. auch die Grundlage für die Entstehung eines Handelsortes von überregionaler Bedeutung: Die seit Jahrtausenden genutzten Verkehrsachsen Donau und Inn blühten wieder auf, und der Goldene Steig erschloß seit dem 11. Jahrhundert den Warenaustausch mit Böhmen. 1390 erhielt Passau das Niederlagsrecht für Wein und Salz, was einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete, von dem auch das Handwerk profitierte (Wolfsklingen).

Warum Stadtarchäologie?
Allein dieser kurze Überblick über die mehrtausendjährige Geschichte Passaus begründet die Einrichtung einer Stadtarchäologie. Ohne die Archäologie wäre die Siedlungsgeschichte im Bereich des heutigen Passau 6000 - 7000 Jahre jünger, vom römerzeitlichen Passau wüßte man nicht mehr als den Namen und vom mittelalterlichen Passau blieben auch nicht mehr als einige Schriftquellen oder wenige Bauten, die allerdings durch spätere Umbauten einen verfälschenden Blick bieten. Realia, die z.B. das Alltagsleben bezeugen, wären eine ungenutzte Quelle für zahlreiche Fragestellungen. So verwundert es eigentlich, daß die Stadt Passau erst 1988 eine Abteilung Stadtarchäologie einrichtete. Vielleicht etablierte man in Passau die Archäologie im Vergleich mit anderen Kommunen Niederbayerns auch so spät, weil sich in Passau im Gegensatz etwa zu Straubing keine kontinuierliche Spatenforschnung entwickelt hatte.

Geschichte der Archäologie in Passau
Bis etwa 1970 fanden Ausgrabungen nur sehr sporadisch statt: Zu Beginn des Jahrhunderts grub F.J. Engel im mittelkaiserzeitlichen Kastell Boiodurum, P. Reinecke untersuchte im Seminargarten an der Römerwehr, wo eine spätantike Wehrmauer zu Tage kam. Bauforschnung betrieb 1928 H. Hörmann, der in der Severinskirche grub. Bis 1955, natürlich auch bedingt durch den 2. Weltkrieg, geschah archäologisch in Passau nichts, bis H. Schönberger wiederum im Kastell Boiodurum einige Schnitte legte. Danach sank Passau für weitere 20 Jahre in einen archäologischen Dornröschenschlaf, bis R. Christlein mit seinen Grabungen in der Hl. Kreuz-Kirche des Klosters Niedernburg u.a. das spätantike Kastell Batavis oder in der Instadt das in der Severinsvita erwähnte spätantike Kastell Boiotro entdeckte und die Archäoloie zu neuem Leben erweckte. Weitere Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege wie z.B. in der Lukas-Kern-Straße und dem Domkreuzgang folgten.

Stadtarchäologie heute
Wegen der zahlreichen Grabungen mit ihren z.T. für übergreifende wissenschaftliche Fragestellungen bedeutsamen Ergebnissen und wegen der zwangsläufig nur punktuellen bodendenkmalpflegerischen Betreuung des Passauer Stadtgebietes durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege entschloß sich die Stadt Passau im August 1988, einen Stadtarchäologen einzustellen. Im Vergleich mit anderen kommunalen Archäologie-Einrichtungen darf die Arbeitssituation als sehr gut und die Bereitstellung von finanziellen Mitteln als bisher großzügig bezeichnet werden. Allerdings macht die Budgetierung auch vor dem Haushalt der Stadtarchäologie nicht Halt: Als Folge konnten 1999 zwei Arbeiterstellungen nicht mehr besetzt werden. Neben dem Wissenschaftler beschäftigt die Stadt z.Zt. einen Grabungstechniker, einen Grabungszeicher und 6 Grabungsarbeiter. Die Passauer Stadtarchäologie ist eine selbstständige Abteilung im Kulturreferat. Neben den durch das Gesetz vorgegebenen Aufgaben, die in erster Linie in Notgrabungen bestehen, betreut die Stadtarchäologie auch das Römermuseum Kastell Boiotro.

Dr. Jörg-Peter Niemeier
Stadtarchäologie Passau
Literatur


 



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